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Eine fast vergessene Kunstform: Die traditionelle Buchbinderei

❤ Deine Jahreszeitenreise ❤ – 365 Tage – Dein Weg zu einer achtsamen und sensiblen Naturfotografie Oft widmen wir unsere gesamte Zeit der Suche nach den ganz großen fotografischen Erlebnissen. Dabei sind es häufig gerade die kleinen, unscheinbaren Dinge, die uns erfüllen. Gern möchte ich dir ein Jahr lang eine besondere Freude bereiten: Mit meinen vier kreativen Jahreszeitenboxen erhältst du persönliche Texte, praktische Übungen, Materialien für alle Sinne und jede Menge Inspirationen zu dir nach Hause. Für deinen ganz persönlichen Weg, für deine Naturfotografie mit außergewöhnlichen Sichtweisen. Dein Einstieg ist jederzeit möglich.Mehr unter: www.jahreszeitenreise.de

Im Muldental scheint seit dem Wochenende die Zeit stehen geblieben zu sein. War es das letzte Jahr schon besonders ruhig, hat der arktische Kälteeinbruch mit meterhohem Schnee die Stadt völlig zum Erliegen gebracht. Und meine Geduld wird ein weiteres Mal auf die Probe gestellt. Dabei hatte ich im Januar schon soviel vor, doch die Umsetzung meiner Pläne waren im Lockdown nicht möglich.

In einem der letzten Newsletter schrieb ich von den Problemen zur Finanzierung meines Buches. Nicht nur das mir weiterhin Vorbestellungen fehlen um die hohe Investitionssumme für 1.000 Bücher (eine kleinere Auflage ist leider nicht preiswerter) zu decken, hat auch die Druckerei massiv die Kosten erhöht.

Diese waren nicht wirklich transparent, sodass ich herausfinden wollte, wie sich die Kosten zusammensetzen. War es das Graspapier? Die Buchbindung an sich? Man muss verstehen, wie ein Buch hergestellt wird, wie Arbeitsschritte und Materialien sich zu Kosten zusammensetzen. Leider habe ich das Handwerk nicht gelernt und muss auf das Vertrauen, was mir erzählt wird. Trotz vereinzelter Unterstützungen fand ich aber im letzten Jahr niemanden, der mir weiterhelfen konnte.

Wochen gingen ereignislos ins Land, als ich mich im November auf dem Nachhauseweg durch Grimma befand und an einer Bekanntmachung am ehem. Stadtgut – dem ältesten Wohnturm Grimmas aus dem 12. Jahrhundert –  vorbeilief und wie gebannt las:

***Eröffnung Schaubuchbinderei***

Wenige Stunden später telefonierte ich mit dem Eigentümer und wie mein Glück es wollte, traf ich bei dem pensionierten Buchbindermeister auf offene Ohren für meine Idee und mein ökologisches Buchprojekt. Schon eine Woche später stand ich bei ihm in der Buchbinderei und fühlte mich ins letzte Jahrhundert zurück katapultiert.

Ich traute meinen Augen nicht: 120 Jahre alte, handbetriebene Buchbinderei-Maschinen. Wie in einem Museum zu den Anfängen des Industriezeitalters. Herr Jost, so heißt mein pensionierter Handwerksmeister, erzählte mir von seiner Ausbildung Anfang der 1950er Jahre, als er noch auf diesen Maschinen gelernt hat. Wie er Anfang der 1980er Jahre in der DDR in Leipzig seinen Meister machte, die schweren Zeiten als Selbstständiger nach der Wende bis zur Betriebsaufgabe seines Sohnes vor zwei Jahren, der das Handwerk bei ihm gelernt hatte.

Ich sah den Schmerz in seinen Augen und ich verstand ihn, als er mir sagte, dass er diese Schaubuchbinderei gerade in Zeiten von Corona Gründen musste, um das traditionelle Handwerk weiterzugeben und weil er es nicht aushält ohne seine Arbeit zu sein. Ich bin so beeindruckt von ihm, mit welcher Leidenschaft er nach 60 Jahren als Buchbinder immer noch von seinem Handwerk spricht. Ich fühlte mich sehr geehrt, dass ich ihm nach einem sehr persönlichen Gespräch zur Hand gehen durfte und wir gemeinsam ein Buch aus dem 18. Jahrhundert repariert haben. Einen ganzen Arbeitstag haben wir Seite an Seite, manchmal still in die Arbeit versunken, in der Werkstatt gestanden und die teils verbrannten und durchnässten Buchseiten bearbeitet. Auch nach 8 Stunden war nur ein Bruchteil des Buches repariert, eine Arbeit die eigentlich unbezahlbar ist und nur deswegen gemacht wird, weil Herr Jost soviel Leidenschaft für sein Handwerk empfindet.

Wir hatten uns anschließend für den Januar verabredet, denn er versprach, mir das Buchbinderhandwerk zu lehren. Seitdem übe ich mich in Geduld, denn seit Mitte Dezember darf er die Schauwerkstatt im Lockdown nicht öffnen. Denn, mein ehrgeiziges Ziel ist es, zu lernen wie ich mein Buch selber herstelle und die plastikfreien Bücher nach Bestellung produziere.

Ich muss dabei einen kleinen Tod sterben, denn es ist für mich nicht möglich, das Buch mit Biofarben im Offsetdruck selber zu drucken. Ich hatte zwar Angebote für lose Blattsammlungen im Biofarben-Offsetdruck angefragt, doch auch die standen in keinem Preis-Leistungsverhältnis.

Ich war verzweifelt, sollte ein ökologisches plastikfreies Buch wirklich unbezahlbar werden?

Daher habe ich, soweit es möglich ist, einen umweltfreundlichen professionellen Leasing-Laserdrucker gesucht und über die Empfehlung eines befreundeten Kollegen gefunden. Testdrucke einiger meiner Buchseiten haben mich schon sehr begeistert.

Fest steht, dass ich mein Buch in der handgebundenen koptischen Bindung machen möchte. Auch dazu habe ich mich in den letzten Wochen weitergebildet und seitdem viele unterschiedliche Notizbücher gebunden. Unter Tränen, Wut, Verzweiflung. Über dumme unachtsame Fehler und dem Mut, alles wieder aufzutrennen und neu zu machen. Der Anfang ist wahrlich nicht leicht und je mehr ich übe, umso weiter steigt meine Achtung für dieses alte Handwerk. Mir macht es – wenn ich einmal im Flow bin – ganz viel Freude, diese Notizbücher zu binden. Eine sehr ruhige, fast meditative Arbeit, wenn der Bienenwachsgetränkte Baumwollfaden durchs Papier fährt und dieses eigentümliche Geräusch von sich gibt. Der Faden, der mit der Zeit durch die warmen Hände weich und anschmiegsam wird und wunderbar nach Wachs riecht. Dazu das Graspapier, das nach frischem Heu duftet. Ein Fest für alle Sinne.

BU: Das sind einige meiner Musterbindungen in der koptischen Bindungsart

Ich weiß, das einige von euch schon sehr lange auf mein Buch „Gefühl und Verstand“ warten. Ich kann die Ungeduld verstehen. Doch schwierige Zeiten verlangen nach außergewöhnlichen Lösungen und die Entscheidung, die Vollendung meines Buches letztendlich selbst in die Hand zu nehmen, fühlt sich gut an.

Nicht nur das, der Kreis,  Ensō 円相, verbindet sich zu einem Ganzen. Da ich in die Inhalte des Buches über zwei Jahre harte Arbeit gesteckt habe und weiterhin tun werde, habe ich mir im Herbst überlegt, aus einem Teil der Inhalte einen ganz besonderen Workshop zu entwickeln. Keinen Onlinekurs, sondern ein Workshop in dem ich dir innerhalb eines Jahres ganz unterschiedliche Inhalte, d.h. Texte, Materialien, Übungen in vier handgemachten und ganz unterschiedlichen Jahreszeitenboxen nach Hause schicke. Auch meine handgebundenen Notizbücher mit kreativen Übungen gehört zum Gesamtpaket.

Ich möchte dir gerne meine Welt der Naturfotografie, passend zur jeweiligen Jahreszeit,  auf einen ganz besonderen Weg nahe bringen, in dem ich in die Boxen für alle deine Sinne – fühlen, riechen, hören und nachdenken – etwas hineintue. Wir werden dabei auch online über ein Forum und persönlichen Gesprächsabenden verbunden sein.

Ich lade dich herzlich ein zu meiner Jahreszeitenreise.de